1. Strophe:

Nimm Platz, Fremder, das Werk hier ist alt. Es stammt aus den Gründerjahren. Es war schon siebzig, als wir endlich an der Reihe waren. Durchs Fenster siehst du auf rötlichen Ziegel. Das ist eine niedrige Wand, die ist der Rest vom Teil des Betriebes, der nach dem Kriege noch stand.

2. Strophe:

Ich will dir was zeigen, Junge, dahinten baun wir jetzt unsern Palast, der ist bisschen kleiner als der zu Berlin, eben so, dass er zu uns passt. Wir haben hier in den letzten Jahren viel gebaut und viel abgebrochen. Die Arbeit geht heute mehr auf den Geist und nicht mehr so auf die Knochen.

Refrain

Hundert Jahre hat das Werk auf dem Rücken, hundert Jahre Arbeit, hundert Jahre Bücken, hundert Jahre steht das alte Werktor, hundert Jahre feiert heut des Betriebes Werkchor.

3. Strophe:

Hundert Jahre, grad so lange, seit die Commune verloren. Du weißt, die deutsche Industrie wurde in dere Blut geboren. Und die Kultur hier kommt noch von den Sozialdemokraten, mit Singen und Sticken und so; und der Sonntag begrabende Schrebergarten, aber auch das Weltniveau

4. Strophe:

hat sich erstaunlich lang hier gehalten. Wir halten inzwischen den Markt, um den sich noch vor dem ersten Kriege der Kaiser mit England beharkt. Du weißt das doch aus der Geschichte: vom Bau der Bagdadbahn. Wir baun heut für die arabische Bourgeoisie die modernste Eisenbahn.

Refrain

Hundert Jahre hat das Werk auf dem Rücken, hundert Jahre Arbeit, hundert Jahre Bücken, hundert Jahre steht das alte Werktor, hundert Jahre feiert heut des Betriebes Werkchor.

5. Strophe:

Der Direktor ist gut fünfundzwanzig Jahr da, der fing hier als Lehrling an. Du wirst es kaum glauben, wir erfüllten fast immer den Plan. Das klingt wie ein Witz, aber denk mal nach: irgendwie muss das möglich sein, was andre voll zum Fenster rausschmeißen, bringt schließlich irgendwer ein.

6. Strophe:

Wir können uns auch nicht an alles halten, was bei uns sonst üblich ist. So wie wir hierzulande planen, da wartet kein Kapitalist. Da muss man schon aus der Hüfte kommen, da langt unser Maß nicht mehr, und dran werden wir uns gewöhnen müssen in unsrer DDR.

Refrain

Hundert Jahre hat das Werk auf dem Rücken, hundert Jahre Arbeit, hundert Jahre Bücken, hundert Jahre steht das alte Werktor, hundert Jahre feiert heut des Betriebes Werkchor.

7. Strophe:

Probleme willst du, na gut, Probleme haben wir hier genug: Wie baust du mit der Hälfte an Leuten in der halben Zeit einen Zug? Wie machst du, dass die Wagen gut aussehen, wenn die Reichsbahn sie nicht waschen kann? Wie bringst du eine Klimaanlage, die in der Wüste auch geht, an?

8. Strophe:

Wie baust du die Sitze in die Wagen, dass die Leute sitzen bequem, und sparst dabei Platz, so dass trotzdem weniger Leute stehn? Hier ist es schon üblich, sich ’nen Kopf zu machen, hier hängt weder Losung noch Spruch. Wir haben uns als Triekraft begriffen im praktischen Widerspruch.

Refrain

Hundert Jahre hat das Werk auf dem Rücken, hundert Jahre Arbeit, hundert Jahre Bücken, hundert Jahre steht das alte Werktor, hundert Jahre feiert heut des Betriebes Werkchor.

9. Strophe:

Was denkst du, wo unsere Dinger rumfahren, durch Wüste und Tropen und Schnee. Wir konkurrieren auf dem Weltmarkt und nicht nur im RGW. Wir können uns nicht hinter Freundschaft verstecken, grad tricksen wir Frankreich aus, wenn jeder wie wir zu rechnen lernt‘, wir kauften die Bande aus.

10. Strophe:

Wir machen hier die harten Devisen, wir geben das Letzte her. Wir brachten uns mit unter die Riesen, machen Made in GDR. Wir machen hier die harten Devisen, wir geben das Letzte her. Wir brachten uns mit unter die Riesen, machen Made in GDR.

Refrain

Hundert Jahre hat das Werk auf dem Rücken, hundert Jahre Arbeit, hundert Jahre Bücken, hundert Jahre steht das alte Werktor, hundert Jahre feiert heut des Betriebes Werkchor.

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