1. Strophe:

Am Ecktisch beim Ofen im „Frankfurter Happen“, der Tag geht schon müde und krumm, da sitz ich mit Willi, dem alten Genossen, uns stört nicht der Lärm drumherum. Ich frage, er lächelt und hustet verlegen und wischt sich den Bierschaum vom Mund: Du fragst nach dem Anfang , nach schwierigen Zeiten, du fragst ja auch nicht ohne Grund. Und natürlich, mein Junge, manchmal war es beschissen, am liebsten hätt‘ ich alles hingeschmissen. Aber eines bracht‘ mich wieder auf Trab: Wenn der Arm keine Last hebt, werd’n die Muskeln bald schlapp.

2. Strophe:

Doch weißt du, was heißt schon – „in schwierigen Zeiten“, nicht schwieriger war’n die als heut, die waren nur anders und noch ohne Fernsehen und anders, viel anders die Leut. Das Wichtigste kennst du schon aus der Schule, und wenn auch nicht alles genau. Es ist manchmal schwer, Argumente zu finden, so schwer manchmal, wie eine Frau.

3. Strophe:

Zum Beispiel, mein Junge, die bitteren Tage im Frühjahr Fünfzig-und-drei. Da war unser Väterchen Josef gestorben und mit ihm manch Irrtum vorbei. Da dachten sie jetzt und nun los und sie holten den Hass und die Steine heraus. Und sahen nicht, dass die zersplitterten Scheiben gehörten zum eigenen Haus.

4. Strophe:

Und später auf’s Land zu den Bauern im Norden, das war die Genossenschaftszeit. Versuch mal, dich mit einer Dogge zu streiten, die Narbe, die hab ich nicht heut. Der Köter ist tot, sein Besitzer hat kürzlich ’ne Milchviehanlage gekriegt. Dem hab ich als Gruß für den Antritt der Stellung ein Schaumgummihündchen geschickt.

5. Strophe:

August Achtundsechizg, und hätten wir da nicht der Hilfe aus Bonn vorgebeugt, dann hätte der Frühling, der Prager, der goldene, manch bitteren Herbst noch gezeugt. Denn da zeigten die hinter freundlicher Maske nun endlich ihr wahres Gesicht, und besser schmeckt uns die zu löffelnde Suppe, wenn andere reinspucken, nicht?

6. Strophe:

Was glaubst du denn, Junge, was soll ich dir raten, wenn du mir erzählst vom Betrieb, es ist nun mal so, wer beharrlich auf Dreck zeigt, den hat man dafür nicht noch lieb. Und glaubst du denn, immer nur du siehst die Fehler und du bist, der alles vollbringt? Den Sozialismus, den möchte ich sehen, der nur mit zwei Menschen gelingt.

7. Strophe:

Am Ecktisch beim Ofen im „Frankfurter Happen“, da sitzen noch immer wir zwei, da sitz ich mit Willi, dem alten Genossen, der Tag ist schon lange vorbei.

weitere Lieder:

Denn sie Lehren die Kinder Ihr wisst es: Sie sind wieder da. Braucht nur nach rechts zu schauen. Sie schreien in schneeweißen Westen „Hurra“ , die Hemden darunter sind braun. Und sie lehren die Kinder, ihr Land geh‘ bis Polen, und es gäb‘ auch dah...
Was wollen wir trinken? (Oktoberklub) Was wollen wir trinken, dieser Kampf war lang, was wollen wir trinken auf diesen Sieg. Was wollen wir trinken, dieser Kampf war lang, was wollen wir trinken auf diesen Sieg. Am Rotem Platz steht Corvalán, auf unsere Sach...
Lied für die Bandarbeiterin Regine Am Abend eines harten Tags, Regine, komm ich zu dir wie ein beschlagnes Glas und finde dich nicht anders vor als mich, und seh dich an werde wieder freundlich.
Staatsbesuch Vom Himmel fallen sieben Böllerschüsse, still steht das Regiment der NVA. Ich sitze jetzt zu Haus in meinem Sessel und sehe Aktuelle Kamera. Am Vortag habe ich zwar lang gestanden, und mit mir musste die Maschine stehn. ...
Frühlingszeit Spürst du nicht auch aus den Schloten der Rauch riecht heute anders, und das Kleid, das du trägst, scheint neu zu sein. Der Leute Gesichter sind nicht mehr gefroren. Es haben die Münder das Misstraun verloren, drei Fremd...