1. Strophe:

Christiane B. war Sekretärin beim Berliner Magistrat, als die Kaderabteilung anrief und sie eingeladen hat. Ob sie nicht im Wohnungswesen des Stadtbezirkes Ypsilon als Genossin wirken wolle. Sicher wisse sie davon, dass man jüngst in diesem Amte Charakterschwächen aufgespürt. Diese hätte das Vertrauen viele Bürger dezimiert.

2. Strophe:

Und sie kommt am ersten Morgen eine Stunde vor der Zeit. Ein paar neue Ängste klopfen unter ihrem neuen Kleid. Mütter sitzen da mit Kindern auf dem Warteflur, dem vollen. Haben sie die mitgebracht, damit sie kräftig schreien solln? Manche grüßen superfreundlich. Andre glotzen wie ein Stier. Wieder andre haben Hocker, und hocken dicht vor ihrer Tür.

3. Strophe:

Langsam lernt sie alles kennen: Die Drohungen mit dem KZ, Beziehungen zum Möbellager, man hätte gern was Schickes da. Ärztliche Atteste kommen: Ein Zimmer wäre nass und kalt. Auch die Versuchung roter Scheine: Christiane hat sich in Gewalt. Und alle wollen richtig wohne, das weiß Christiane sehr genau.

4. Strophe:

Nicht der Schreihals macht sie schlapp; Frauen, die drei Stunden stehn und dann sagen: Schönen Dank, und mit stummen Blicken gehen. Ist es Ungerechtigkeit, wenn ich behalt, was ich nicht hab? Oder wenn ich diesen Kindern statt jenen eine Wohnung gab? Für alle, die da draußen stehen, reicht die Gerechtigkeit noch nicht. Christiane möchte es manchmal schreien, wenn sie behutsam drüber spricht.

Refrain:

Ach Christiane! Das wird schon hinhaun. Und vergiss nicht, du hast ja unser Vertraun, Christiane, es wird schon hinhaun, und vergiss nicht, du hast ja unser Vertraun.

weitere Lieder:

Die Sache der Kinder Weiß nicht, wie’s ist: Hunger zu haben, weiß nicht, wie’s ist: ohne Mutter zu sein, weiß nicht, wie’s ist: den Freund zu begraben, gibt Kinder, die sind dafür nicht zu klein. Weiß nicht, wie’s ist: der Hautfarbe wegen zu...
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