1. Strophe:

Schwarz der Rand im ND, unscharf das Foto, lang der Zug. In den ersten Reihen das Zentralkomitee, davor die Kränze, die man trug. Heut werden Genossen zu Grabe getragen, läuten nicht Glocken, nein, sondern ein Lied kommt aus den Mündern gelber Trompeten, senkt sich ins Herz, das Erinnerung flieht.

2. Strophe:

Winzer ist tot, und Hennecke auch, 387% steht im Lesebuch. Schlagt um die Seite Geschicht jetzt, die steht heut auf diesem Leichentuch. Legende fast, klangs uns nicht wie eine Sage, was wir einst in der Schule gelernt. Wirklichkeit wird alles wieder am Grabe, da sich der Mann endgültig entfernt.

<script async src="//pagead2.googlesyndication.com/pagead/js/adsbygoogle.js"></script> <!-- DDR responsive Content --> <ins class="adsbygoogle" style="display:block" data-ad-client="ca-pub-4278385830278770" data-ad-slot="1881593012" data-ad-format="auto"></ins> <script> (adsbygoogle = window.adsbygoogle || []).push({}); </script>

3. Strophe:

Hat vielleicht damals, in jenem Oktober, was er in Gang gebracht, selbst nicht überschaut. Man weiß, es hat manch ehrlicher Kumpel ihm nicht mehr übern Weg getraut. Denn wie sich die Klasse die Macht genommen, ändert sie ihr altes Gesicht. Legt ab eigene alte Schranken, nur ganz so einfach geht es nicht.

4. Strophe:

Langsam kommt neues Denken in Gang. Wer die Pfade schlägt, hat’s immer recht schwer. Wer die Pfade schlägt, erntet Skepsis, jeder ist nicht Revolutionär. Arbeiter gewesen und auch geblieben, zwischen dem Schacht und dem ZK, leiten gelernt, Reden geschrieben, vieler orten bestaunt, nun nicht mehr da.

5. Strophe:

Hennecke ist tot, und Winzer auch, der Minister, der Türen aufgestemmt auf aalglattem Parkett, nicht am Presslufthammer seine 387 Prozent. Saß in seiner Winzerstube, händeschüttelnd, in Wirklichkeit ringend, eher durchschaun jede Fallgrube, Bourgeois empfangen und Toaste ausbringend.

6. Strophe:

Immer im Anzug, fast zu verwechseln mit jenen, denen er da auch zutrinkt. Nicht mal das am Jackett, an seiner linken Seite, das Zeichen mit den zwei Händen aufblinkt. Stundenlang stehn auf langen Empfängen, druckreif verlieren jedes Wort, manchmal in den breiten Wandelgängen, wünschte er sich vielleicht fort.

7. Strophe:

Hin vielleicht an eine Maschine, acht Stunden lang drehn, dann aber Schluss. Sechzehnuhrdreißig nach Hause zu gehen, statt Tschaika, mal einen Omnibus. Gerade der Schlips und weiß das Hemd, drunter das Herz für die Sache schlug, links, auch wenn er keinen Presslufthammer, sondern den Diplomatenpass trug.

8. Strophe:

Das ist sie gewesen, die alte Garde, die fünfundvierzig die Junge war. Heut zählt jeder Monat große Tote, wie dieser März und der Februar. Nun, senkt sie hinunter, darauf Erde. Erde ist gut, gehen fällt schwer, die hinteren Reihn gehen nun zuerst, die erste geht jetzt hinterher.