1. Strophe:

Dieses Lied sing ich den Frauen, die allein sind in den Nächten, ihr Alleinsein nicht verdauen und so gern bei ihm sein möchten. Dieses Lied sing ich Maria, die schon auf der Penne eines ausprobierte und dann abging, denn sie kriegte etwas Kleines. Und er Vater von Maria und der des begonnenen Kindes wollten nichts mehr von ihr wissen, „Geh, Maria und verschwind es.“ Und Maria schluckte heftig und es lag ihr schwer im Magen, und ihr Kindchen lag daneben, und sie wollt’s nicht nur ertragen.

2. Strophe:

Sie besorgt sich ein Zimmer, schlug im ihrer kleinen frommen Faust das Mutterschutzgesetz auf den Tisch, bis sie’s bekommen. Und sie malte es auch selber, wusste bald schon mit den Türen und Handwerkern umzugehen, wenn sie karren, muss man schmieren. Nach gesetzmäßigem Ablauf, und, wie man ihr sagte, schmerzfrei, schenkte sie ’nem Sohn das Leben, und der machte ihr das Herz warm. Klagte auf mehr Alimente, denn das Söhnchen wär zu teuer, zahlpflichtig ein Tanzmusiken, der beschiss nämlich die Steuer.

3. Strophe:

Später ging sie selbst verdienen, lange stand es auf der Kippe. Arbeit gab es, wo sie suchte, aber dort gab’s keine Krippe. Als sie eine Krippe hatte, war die Arbeit ihr nicht lieb, doch was nicht war, wollt man ihr machen, ’s war ein Zulieferbetrieb. Abends ging sie noch zur Schule, und das Abitur viel schwer, ihre Augen kriegten Ringe, und ihr Ringfinger blieb leer. Manchmal saß zwar ein dem Kinde fremder Mann am Tische früh, doch’s war immer nur in Onkel, und ein Vatikan war es nie.

4. Strophe:

Dann bekam sie noch ein Studium, das man gerade reformierte, so dass sie es ein Jahr kürzer als vorher und nachher passierte. Und sie wurde Redakteurin einer guten Wochenzeitung, kam, weil sie den Mund aufmachte, gleich in die Gewerkschaftsleitung. Würd Mitglied DFD, DSF na und so weiter, setzte sich nicht immer durch, wurde doch Abteilungsleiter. Wurde mit dem Kollektiv sozialistische Brigade, manchmal lag sie ja auch schief, doch auch dafür stand sie gerade.

5. Strophe:

Elternbeirat war sie auch, doch ihr Sohn war gut gelungen, kürzlich hat sie nun dem Handel ’nen Trabanten abgerungen. Und der fuhr die zwei in Urlaub, dort erholten sie sich sehr, an ’nen Vater dachten beide angeblich schon lang nicht mehr. Heute nacht sah ich Maria, eine Frau von Mitte dreißig, steht in einer Telefonzelle, Tränen sah ich und nun weiß ich, dass emanzipierte Frauen, die uns ach so stark erscheinen noch jahrzehntelang und länger, nachts um ihre Schwächen weinen.

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